Theater trifft...

Theater trifft...

auf gnadenlose Ineffizienz oder notwendigen Müßiggang

Nach der Hauspremiere von E.T.A. Hoffmanns Der goldene Topf im Wi.Z am Freitag, den 05.04.2019 traf das Theater zum letzten Mal in dieser Spielzeit Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Politiker*- innen, Wirtschaftsexpert*innen zu einem Gedankenaustausch. Mit dem Industriedesigner  Walter Matuschek erörterte Intendant Tonio Kleinknecht  die Frage „Wie kommt das Neue in die Welt?“

Passend zur romantischen Novelle Der goldene Topf von E.T.A. Hoffmann, die diese Spielzeit durch das Regieteam Tonio Kleinknecht und Marco Kreuzer am Theater der Stadt Aalen für die Bühne bearbeitet wurde, standen sich auch beim Theater trifft im April die „ineffiziente“ Welt der Kunst und die „effiziente“ Welt des Industriedesigns als vermeintliche Antipoden gegenüber. In Der goldene Topf  ist die Hauptfigur der Student Anselmus nämlich zwischen dem rational erschließbaren Alltag und dem Reich der Fantasie zerrissen und muss sich letztlich für eine der beiden Welten entscheiden. Sind Kunst und Industrie aber tatsächlich so unvereinbar oder braucht es nicht doch auch ein poetisches Gemüt, um neue Produkte zu entwickeln? Ist Industriedesign heutzutage nicht vielmehr die Schnittmenge aus Kunst und Wirtschaft? Für Walter Matuschek, Industriedesigner und Gesprächspartner Tonio Kleinknechts an diesem Abend, ist Produktentwicklung  jedenfalls „getaktete Kreativität“.  Sie ist zielgerichtet, zeitlich festgesetzt sowie erfolgsorientiert und dadurch aus sich selbst heraus effektiv.  Dennoch können einzelne Prozesse innerhalb der Produktentwicklung erfolglos und ineffektiv sein. Hier seien dann besonders  Flexibilität und Muße gefragt, um andere Wege einzuschlagen.  „Perfektion gibt es nicht“, meint Matuschek „aber unter Zeitdruck kommen meiner Erfahrung nach sehr gute Ergebnisse heraus.“  Aber nicht nur der kreative Ansatz bei der Problemlösung sei im Industriedesign künstlerisch, sondern auch das Endprodukt selbst sei heutzutage vor allem sinnlich. So brächten
große, gewinnorientierte Technologieunternehmen beispielsweise Produkte auf den Markt, bei denen die Funktion Grundvoraussetzung sei, der Fokus aber schon längst auf dem sinnlichen Mehrwert als Ausdruck einer Lebenseinstellung liege. „Ein Produkt muss für sich sprechen. Es muss sexy sein“, stellt Matuschek fest „Es ist die Aufgabe des Designers, sich mit dieser Anforderung auseinanderzusetzen. Das ist Verführung.“  Um trotzdem authentisch und nachhaltig zu sein, ist es wichtig vorab in persönlichen Gesprächen herauszufinden, ob die Vorstellungen des Kunden und die des Unternehmens deckungsgleich sind. „Dabei hilft auch schon mal ein Glas Wein!“, schmunzelt Matuschek.  Das nahmen sich dann auch die Gäste zu Herzen und frönten an diesem Abend  bei einem Glas Wein oder einer Flasche Bier dem Müßiggang noch etwas länger.




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