Theater trifft...Judas

Theater trifft...Judas

Dekan Ralf Drescher zu Gast beim "Theater trifft"

Keiner wollte, aber einer musste es tun?

Am 27.10.2018 gab es eine ganz besondere Vorstellung auf der Bühne im Alten Rathaus: Das Gastspiel ‚Judas‘ wurde nur zweimal in Aalen gezeigt. Der Schauspieler Bruno Lehan, der die Stadt noch von einem früheren Engagement am Theater gut kennt, überzeugte das Publikum rund 75 Minuten durch sein spannungsreiches Spiel und den packenden Text der holländischen Autorin Lot Vekemans. Lehan verkörpert Judas und zeigt die Figur auf eine bisher unbekannte Weise. Judas, der weltweit für die Schlechtigkeit und den Verrat steht, bekommt hier eine Stimme und erzählt seine ganz persönliche Geschichte. „Ich möchte so genau sein wie möglich“, verkündet dieser Judas zu Beginn und lässt dann mit seiner Erzählung die scheinbar eindeutige Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmen.

An die Frage nach Gut und Böse - Richtig und Falsch - Hell und Dunkel knüpfte auch das anschließende Gespräch in einem gut gefüllten Theatercafé an: Intendant Tonio Kleinknecht begrüßte Ralf Drescher, Dekan des Kirchenbezirks Aalen, sowie Schauspieler Bruno Lehan zu einem weiteren ‚Theater trifft…‘-Termin und konnte sich auch über eine starke und anregende Gesprächsbeteiligung aus dem Publikum freuen.

Lehan erzählte, dass er von der gedanklichen Klarheit der Rolle fasziniert ist. Obwohl er wenig religiöse Vorbildung seit dem Schulunterricht hatte, habe ihn die Idee des Stückes sofort interessiert und der Text ihn dann auch von Anfang bis Ende überzeugt. Drescher, der als evangelischer Pfarrer und Dekan wohl als Judas-Experte gelten kann, zeigte sich über die facettenreiche Persönlichkeit der biblischen Figur wenig überrascht, aber umso begeisterter von der intensiven Darstellung. Er empfinde das Stück im Grunde als Beziehungsdrama. Jede zwischenmenschliche Beziehung sei ein Drama vom Anfang bis zum Ende und in Lehans Spiel werde die Verzweiflung des Judas überdeutlich.

Musste Judas Jesus verraten, damit die Heilsgeschichte ihren Lauf nehmen konnte? Ist und musste Jesus unweigerlich für die Menschheit sterben? War Gottes Barmherzigkeit bei Judas erschöpft oder hat er auch ihm vergeben? Viele Fragen und Gedanken kamen an diesem Abend zur Sprache, ohne dass jemand eine abschließende Antwort darauf hätte geben können oder wollen. Wie das Stück machte auch das Gespräch es den Zuschauer*innen nicht leicht und verweigert sich dem Wunsch nach einfachen Erklärungsmustern. Sich auf Widersprüchlichkeiten und Unklarheiten einzulassen, tröstete Drescher am Ende, ist eine Herausforderung, die das Leben anstrengend, aber auch spannend macht.







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