Tsa bus augenblick

Der Augenblick 2

Presse

Aalener Nachrichten vom 14. März 2017 von Johannes Müller

Glanzvolle Krönung eines Projekts

Theater der Stadt Aalen präsentiert Uraufführung „Der Augenblick“ in der Villa Stützel

Das ist schon etwas Besonderes, wenn eine ganze Straße mit ihren signifikanten Stellen in einem Theaterstück präsentiert wird. Diese Ehre wurde der Ulmer Straße in einer spektakulären Uraufführung des Theaters der Stadt Aalen im vollen Saal der Villa Stützel zu Teil. Auch die Villa ist eine wichtige Station am „Boulevard Ulmer Straße“.

Nicht allzu lang war die Vorbereitungszeit, seit Sommer 2016, in der Schüler einiger Aalener und Heidenheimer Schulen und Aalener Bürger spontane Eindrücke und Ideen sammelten, die ihnen zu acht Bildern entlang der Straße einfielen. Beispielsweise Moschee, Beten, Stadtverkehr, Lidl und Aldi, Training, Erlau, aber auch andere Objekte wie die Marienkirche und die ehemalige Reichbank (Villa Cherbon).

Kurz waren die Szenen, in denen das Gesammelte in jeweils Drei-Minuten-Szenen integriert nun über die Bühne ging. In nur zwei Proben hatten acht Akteure des Theaters unter Winfried Tobias, Leiter des Kinder und Jugendtheaters, sowie des Berliner Autors und Theaterpädagogen Lorenz Hippe das collagenartige Stück einstudiert.

Kreuz der Marienkirche taucht in mehreren Szenen auf

Es hieß „Der Augenblick“ wohl nicht nur wegen der kurzen Szenen, sondern auch wegen der Kürze der gesammelten Eindrücke und weil jede Szene als „Augenblick“ im Programm aufgelistet war. Alles spielte sich auf der kleinen, abgedunkelten Bühne ab und vor großflächigen Bildern auf der Background-Leinwand. Da ragte zum Beispiel das Kreuz auf dem Turm der Marienkirche in eine nächtliche Szene der mondbeschienenen Ulmer Straße herein. Prompt wurde das Kreuz zum Inhalt einer der Szenen.

Da spielten vor der Moschee Kinder Fußball, einerseits vom Imam, andererseits vom Pastor angefeuert. Das gab Anlass zu heftigen Dialogen in der Sprache der Migrantenkinder. Die Erlau-Ketten, spielende Kinder im verlassenen Ostertag-Gebäude, ein brennender Einkaufswagen auf dem stillgelegten Industriegleis gaben weitere Gelegenheit zu spannenden „Augenblicken“. Bisweilen wurde auch das Publikum ins Spiel mit einbezogen wie eine Französin in der ersten Reihe, die spontan die Rolle des „Kumpels Marek“ übernahm.

Die reaktionsschnelle Wandlungsfähigkeit der Akteure, ihre sprachlichen Talente waren ebenso erstaunlich wie die bunte Vielfalt der Szenen. Noch mehr wurde den Darstellern im zweiten Teil abverlangt. Da ging es um Ausschnitte aus Stücken, die in den letzten 25 Jahren im Theater der Stadt auf dem Spielplan standen. Plötzlich stand Mephisto aus dem „Faust“ auf der Bühne und Goethes berühmtes Zitat vom schönen Städtchen Aalen und seinen noch schöneren Mädchen durfte nicht fehlen.

Von den vielen Autoren dieser Stücke waren der Schweizer Jürg Schlachter und Lisa Sommerfeldt nach Aalen gekommen. Aber auch das Publikum, darunter viele am Projekt beteiligte Schüler, belohnten die Leistung der Darsteller, der Autoren und des Intendanten, mit viel Beifall.

Nicht messbar ist der Beifall derer, die sich das Stück und die Fotos auf der Website des Theaters www.kunst-stadt-aalen.de/augenblick als Minihörspiel oder in ihrem Smartphone über QR-Code am jeweiligen Ort des Geschehens abgerufen haben oder dies noch tun werden.


Schwäbische Post vom 22. März 2017

Theater Aalen präsentiert „Augenblicke“

Theaterprojekt: Szenen und Texte für Bühne, Straße und Internet.

„Was passiert hier gerade?“ Diese Frage hat das Theater der Stadt Aalen im Projekt „Der Augenblick“ zu acht großformatigen Plakaten entlang des „Boulevard Ulmer Straße“ gestellt und von acht Theaterautorinnen und -autoren und Aalener Bürgern beantworten lassen.

Die Ergebnisse wurden jetzt vom Ensemble des Theaters in einer Lesung und szenischen Präsentationen in der Villa Stützel vorgestellt. Im Publikum saßen zahlreiche Teilnehmende, die in den Schreibwerkstätten zum Projekt unter Anleitung des Autors Lorenz Hippe Texte geschrieben hatten.

Rätselhaft oder zumindest ungewöhnlich waren alle Motive, die das Fotografenduo Harald Habermann und Franz Müller mit dem Theater im Sommer 2016 in der der Ulmer Straße produziert hatte, von Alpakas im Garten der alten Reichsbank über einen brennenden Einkaufswagen vor der GSA bis zum Mann in Ketten vor der Erlau.

Der brennende Einkaufswagen kam in Texten der Schreibwerkstatt selbst zu Wort und letzteres Motiv, der „Augenblick #8“ hat Schubart-Förderpreisträgerin Karen Köhler zum Monolog einer jungen Frau inspiriert, die versucht, neben ihrem Freund, der beinahe komplett in seinem Handy versunken scheint, Bilder für die Zukunft zu finden. Ein skurriler, stellenweiser radikaler und verzweifelt komischer Text – sehr zur Freude des Publikums.

Weitere Highlights: die Alpakas aus dem „Augenblick #2“, die Autor Hartmut El-Kurdi zusammen mit einer Krähe über Angst und Freiheit philosophieren lässt. Im starken Kontrast zu diesen humorvollen Ansätzen der „Augenblick #7“ von Lisa Sommerfeldt, der eindringlich die Geschichte einer Flucht von Afrika nach Europa rekapituliert.

Auch wer die Präsentationen in der Villa Stützel verpasst hat, kann die Texte und Szenen noch kennenlernen. Das Theater hat eine kleine Dokumentation als PDF zum kostenlosen Download auf seine Website gestellt. Und die acht Szenen der Theaterprofis gibt es als „Hörspiel to go“, ebenfalls kostenlos per QR-Code direkt am jeweiligen Plakat, also am Ort des Geschehens oder auf der Website www.kunst-stadt-aalen.de/augenblick.

Logo innofond
Logoimmaterielleskulturerbetheaterlandschaft