Theater aalen theater trifft... 04.11 foto theater aalen

Theater trifft… Oberbürgermeister Thilo Rentschler und den Städtepartnerschaftsverein

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Am Theater der Stadt Aalen diskutierten am 04. November bei „Theater trifft…“ die Theatermacherin Tina Brüggemann, Oberbürgermeister Thilo Rentschler und der Städtepartnerschaftsverein über das Stück „Samstag in Europa“ und das allgemeine politische Klima in der EU. 

Europa ist in der Krise. Das bezweifelt angesichts der aktuellen Situation kaum eine*r. Vielfältig sind die Ideen, Strategien und Wege, die man zur Überwindung der Krise einschlagen könnte. Noch gibt es keine Klarheit über den goldenen Weg, doch der Wunsch, DEM Erfolgsmodell für Frieden und Wohlstand zu neuer Stärke zu verhelfen, ist groß.

Und so bietet das Theater der Stadt Aalen als eines unter vielen zurzeit ein Stück mit vielen Denkanstößen für die zerfahrene politische Lage. „Samstag in Europa“ von den Autorinnen Sedef Ecer und Dagrun Hintze zeigt ein vielschichtiges Panorama von den unterschiedlichen Haltungen, Ängsten und Menschen auf unserem Kontinent. In den verschiedenen Episoden in Paris, Budapest, Hamburg und Istanbul geht es um die Terrorgefahr durch Islamisten, die Integration und Ausgrenzung von Flüchtlingen, demokratische Grundwerte und – die Lust am Leben.

Nach der fast ausverkauften Vorstellung am 04. November sprachen Tina Brüggemann, Oberbürgermeister Thilo Rentschler, der Vorstandsvorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Hermann Schludi und Gründungsmitglied Roland Hamm  über die zahlreichen Themen, die das Stück und die Inszenierung anschneiden. Für die Chefdramaturgin Tina Brüggemann, die die Uraufführung auch inszenierte, war es wichtig, bestimmte Ängste wie die vor Kofferbomben (Paris), staatlicher Zensur und Repression (Budapest), Selbstmordattentätern (Istanbul) und zementierten Vorurteilen (Hamburg) auf der Bühne zu zeigen. Ängste, die in der öffentlichen Diskussion unsere ständigen Begleiter geworden sind, die –teils – begründet sind, uns zu einem „Umgang“ auffordern. Dabei war es dem künstlerischen Team stets wichtig, diese Ängste nicht aus- oder bloßzustellen.

Hermann Schludi berichtete, dass er selbst vor kurzem eine solche Situation auf dem Flughafen in Antakya erlebte. Ein herrenloser Koffer erschien ihm sofort als potentielle Gefahr. Im September war der Städtepartnerschaftsverein mit Oberbürgermeister Thilo Rentschler in die türkische Partnerstadt gereist – für die Realisierung einer gemeinsamen Initiative. Unweit der syrischen Grenze, gerade mal 60 km von Aleppo entfernt, hatte dort die Stadt Aalen mit dem Städtepartnerschaftsverein eine Schule für Flüchtlingskinder gegründet.

Unter den Eindrücken dieser Reise betrachtete Schludi „Samstag in Europa“: „Das Stück rührt an fundamentalen Themen wie die Angst vor dem Fremden.“ Besonders gelungen fand er die Rollenverteilung in der Inszenierung. Die Schauspieler*innen spielen in einer Szene einen Einheimischen und sind im nächsten Moment als Flüchtlinge zu sehen. „Die Rollen sind austauschbar. Jeder Mensch kann unter bestimmten historischen Bedingungen in diese Rolle gedrängt werden“, so Schludi.

Auch Roland Hamm sprach über seine Impressionen aus Antakya und die generellen Rückschlüsse, die er daraus zieht: „Wir müssen uns fragen: Woher kommt die Angst. Erst wenn wir diese Angst analysieren und bestimmen können, sind wir fähig, sie zu überwinden und etwas Positives daraus zu machen.“ Hamm kritisierte in diesem Zusammenhang insbesondere „die Festung Europa“.

Beim Umgang mit dem Fremden und möglichen Berührungsängsten machte sich Oberbürgermeister Thilo Rentschler für einen offenen Diskurs in unserer Zivilgesellschaft stark: „Aufklärung betreiben, ist das Wichtigste, damit es keinen Nährboden für Angst gibt.“ Und unter Aufklärung versteht Rentschler öffentliche Projekte in Aalen wie die „Interkulturelle Woche“, den „Interkulturellen Garten“, den „Boulevard Ulmer Straße“ (auch vom Theater der Stadt Aalen) und die Arbeit der Volkshochschule. Bei all diesen Angeboten gehe es, so Rentschler, um die Begegnung zwischen Menschen. Damit wäre man wieder beim Theaterstück: Gefährliche Begegnungen machen neugierig und schaffen Raum für Neues. Und dann klappt es vielleicht auch mit Europa.

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