Theater trifft.. sonja jetter

Theater trifft… Sonja Jetter

Auge um Auge macht die ganze Welt blind

Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen fand im Theater der Stadt Aalen eine Diskussion über Frauenrechte statt. Nach der Aufführung von „Auge um Auge“ gingen Regisseurin Tina Brüggemann und ihr Gast Sonja Jetter der Frage nach, wie Opfer von Gewalt mit ihrem Leid umgehen können. Ein offenes, ehrliches und überraschend amüsantes Gespräch.  

Ein ernstes Thema und Humor? Ist das erlaubt? Für Sonja Jetter schon. Denn die Gastreferentin des Abends weiß aus eigener Erfahrung, was Missbrauch bedeutet. Aus diesem Grund engagiert sie sich im Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs im Familienministerium Berlin. Darüber hinaus ist Jetter Mitglied im Freundeskreis Asyl Abtsgmünd und tritt für Frieden im Konflikt zwischen Israel und Palästina ein. In ihrer Arbeit mit Opfern lacht sie sehr viel, da sie ihnen Mut und Lebensfreude geben möchte. „Humor ist das einzige Mittel, um den Wahnsinn zu verarbeiten“, sagt sie mit breitem Grinsen und leuchtenden Augen.

Ohne Zweifel ist diese Einstellung ein produktiver Zugang zu einem Thema, das viel zu oft verschwiegen und verharmlost wird. Das öffentliche Sprechen über den körperlichen Missbrauch und/oder Gewalt an Frauen und Kindern ist selbst in Deutschland noch schambehaftet, da es mit dem Blick in die Intimsphäre verbunden ist. Zur erschreckenden Realität gehört jedoch, dass jedes fünfte Kind misshandelt wird und die meisten Opfer sich niemandem anvertrauen, da sie sich schuldig fühlen. Für Jetter kommt als einzig sinnvolle Lösung nur Reden in Betracht, da durch die Artikulation des Leidens und die öffentliche Verurteilung der Täter eine schwere Last von den Schultern der Opfer fällt. Den Weg der Rache, den Patrizia Zappa Mulas in „Auge um Auge“ am Fall von Ameneh Bahrami differenziert von allen Seiten beleuchtet, lehnt Jetter klar ab. Man muss den Kreislauf der Gewalt stoppen, denn „Auge um Auge macht die ganze Welt blind“. Körperliche Strafen für die Täter sind zu kurzsichtig gedacht und machen nur die Gewalt salonfähig. Auf diesen Teufelskreis will die Inszenierung von Tina Brüggemann aufmerksam machen, ohne Mut und Kraft Bahramis zu schmählern, oder je das Lachen zu verlieren.

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