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Theater trifft... Patrizia Zappa Mulas

Theater als Ort des Dialogs

Am vergangenen Samstag war die italienische Autorin Patrizia Zappa Mulas zu Gast im Theater der Stadt Aalen. Nach der Aufführung ihres Stücks „Auge um Auge“ sprach sie mit Tonio Kleinknecht und Tina Brüggemann über die Aalener Inszenierung und den Einfluss der schrecklichen Anschlägen von Paris auf die Wahrnehmung des Stücks.

Schon als Schauspielerin oft an Stückentwicklungen beteiligt, war der Stückauftrag für Patrizia Zappa Mulas fast die folgerichtige Weiterentwicklung ihrer künstlerischen Laufbahn. „Auge um Auge“ schrieb sie wie im Rausch und nun scheint das Stück täglich an tragischer Bedeutung zu gewinnen:  Ausgerechnet die Liebesbeziehung zwischen einer Französin und einem muslimischen Algerier gerät durch ihre Debatte über die Wirksamkeit der Menschenrechtskonvention in einer globalisierten Welt auf den Prüfstand. Vor diesem Hintergrund ließen sich die schrecklichen Anschläge auf Paris nicht aus den Gedanken und dem Gespräch bannen.

Das iranische Säureopfer Ameneh Bahrami, um deren Fall sich der Konflikt der ProtagonistInnen dreht, bleibt für Mulas eine Metapher für eine fehlgeleite Auslegung der Scharia und deren enorme Auswirkungen auf die muslimische Gemeinschaft. Durch Brüggemanns eindringliche Inszenierung hat die Autorin einen neuen Blick auf das eigene Stück gewonnen. Und nach einem Gedankenaustausch, ob Bahrami eher Antigone (Mulas) oder Medea (Brüggemann) gleicht, resümiert Mulas:„Meine Eindrücke nehme ich mit nach Rom“, wo sie das Theaterstück nach seiner einmaligen Uraufführung auf dem Festival in Neapel bald selbst inszenieren wird.

Doch was hat sich konkret an der Wahrnehmung des Stücks durch den Anschlag verändert? Die Dringlichkeit des Dialogs, so war man sich schnell einig. Nur die Gesprächskultur kann verhindern, dass Loyalitätskonflikte sich verhärten, oder dass die Strahlkraft geglückter interkultureller Partnerschaften an Glanz verliert. Schon während der Proben von „Biedermanns.umgezogen“ mit den Anschlägen auf die Zeitschrift Charlie Hebdo konfrontiert, wollen die KünstlerInnen die andauernde Gewaltspirale nicht als unausweichlich hinnehmen. Passend dazu formuliert Mulas die wertvolle Funktion der Kunst in der gegenwärtigen Situation: „Das Theater hilft uns, zusammenzubleiben und gemeinsam öffentlich nachzudenken.“ Die nächste Gelegenheit dafür gibt es gleich am Mittwoch, dem 25. November, nach der nächsten Vorstellung von „Auge um Auge“. Das Theater diskutiert dann mit Sonja Jetter über das Thema Frauenrechte.

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