Theater triftt ... den Städtepartnerschaftsverein u.a.

Theater triftt ... den Städtepartnerschaftsverein u.a.

wortreich, sprech- und sprachbegeistert

Unter dem Spielzeitmotto „Welche Sprache passt zu mir?“ wurde am vergangenen Samstag, den 23.3., lebhaft über Sprachlosigkeit, Missverständnisse, Kunstsprachen und non-verbale Kommunikation diskutiert. Mit dabei waren Hermann Schludi (1. Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverein), Sabine Heymann (Kulturjournalistin und Übersetzerin) und Jonny M. (Esperantist und Musiker).

Das Podiumsgespräch fand im Anschluss an eine Vorstellung von ‚Venedig im Schnee‘ statt – ein Stück, in dem die Kommunikation eine wesentliche Rolle spielt: Zwei Paare (geschätzt Mitte dreißig) kommunizieren mal mehr und mal weniger erfolgreich miteinander, übereinander und aneinander vorbei. Das Stück, in dem sich scharfzüngige, humorvolle und fantasievolle Bemerkungen Schlag auf Schlag aneinanderreihen, wurde aus dem Französischen übersetzt. Eine Aufgabe, die herausfordernder sein kann, als mancher vermuten würde. Sabine Heymann, die selbst auch als Übersetzerin tätig ist, weiß: „Die Leichtigkeit ist am allerschwersten zu übersetzen“. Für einzelne Worte sind oftmals verschiedene Übersetzungen möglich. Die Bedeutung variiert, auch bedingt durch den kulturellen Kontext.

Eine präzise Kunstsprache wie Esperanto, umgeht die Abhängigkeit vom kulturellen Kontext zwar so weiträumig wie möglich, um dann aber wieder eine eigene Gruppe zu bilden, bei der man sich zu Hause fühlen kann: Deshalb verfasst Reggea-Musiker Jonny M. alle seine Lieder auf Esperanto. Die Idee, in der ganzen Welt unterwegs zu sein und sich überall sprachlich zurecht zu finden, kann begeistern… Aber auch Esperanto verliert zunehmend seine Künstlichkeit und wird zu einer lebendigen Sprache, die an unterschiedlichen Orten Ansätze von Dialekten entwickelt. Hinzu kommt, dass die Esperantisten in ihrer non-verbalen Kommunikation weiterhin von ihrem Herkunftsland geprägt sind. Die Haltung und die Gesten, mit denen wir das Gesagte untermalen, sind genauso wichtig wie die Worte selbst. Was wenn Sprache und Körpersprache nicht zusammen zu passen scheinen? Was, wenn man die Worte versteht, aber keine Ahnung hat, was der Sprechende sagen möchte?

Sprache kann nicht nur verbinden, sondern auch Grenzen entstehen lassen. Jugendliche grenzen sich mit ihrer Sprache bewusst von der Generation ihrer Eltern ab. Komplexe Formulierungen und Fachvokabeln ziehen eine Grenze zu Menschen, die die Sprache weniger gut beherrschen. Wer ausgegrenzt wird, erzählt Hermann Schludi, entwickelt eine Strategie damit umzugehen.

Zurück zum Stück: Patricia, die wenig Lust auf den Pärchen-Abend hat und schnell zur Außenseiterin wird, erfindet einfach ihre eigene Sprache. Die fremde Sprache und Patricias scheinbar fremde Identität bringen den Theaterabend damit so richtig in Fahrt!

Das Publikum folgte dem Podiumsgespräch nicht nur interessiert, sondern mischte sich auch engagiert ein. Das Sprechen über Sprache löst die Zungen und sorgt für Freude bei der Suche nach dem verbindenden Wort. Für einen besonderen Abschluss der Veranstaltung sorgte dann Jonny M., der alle Anwesenden mit seinen Liedern auf Esperanto begeisterte.






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