Theater trifft SaNaFi: Von Aalen nach Afrika und zurück

Theater trifft SaNaFi: Von Aalen nach Afrika und zurück

Kommunale und bürgerschaftliche Engagements für Afrika

Am 29. September durfte das Theaterpublikum eine lange und spannende Nacht erleben. Der Abend bestand aus drei Veranstaltungen – eine Lesung mit dem Konstanzer Intendanten Prof. Dr. Dr. Nix aus seinem Buch „Muzungu“ eröffnete den Abend, gefolgt von einem „Theater trifft…“ mit hochkarätigen Gästen: Oberbürgermeister der Stadt Aalen Thilo Rentschler und Christoph Nix. Das Samstagnachtfieber, moderiert von Jeanine Lang, entführte das Publikum in die Welt der Sprache und der Worte und beschloss mit einem Szenenausschnitt aus „Venedig im Schnee“ den gelungenen Abend.

Aalener Nachrichten | 30. September 2018 | Ansgar König

„Wir geben nicht nur was, wir haben auch was davon.“ So kurz und knapp fasst Christoph Nix das zusammen, was der Verein Theater in Afrika rund um das Konstanzer Stadttheater bewogen hat, zu helfen. Der Konstanzer Intendant hat im Rahmen von „Theater trifft...“ am Samstagabend im Wi. Z mit Aalens OB Thilo Rentschler über mögliche Hilfen diskutiert. Kurzum: Es wurde ein Plädoyer für die Entwicklungshilfe im Kleinen.

Aalens Intendant Tonio Kleinknecht, Moderator des Abends, hatte vorab gestanden, dass die Entscheidung des Aalener Gemeinderats, eine Freundschaft mit Vilankulo in Mosambik zu schließen, seiner Meinung nach die beeindruckendste war, seit er in Aalen ist.

„In kürzester Zeit etwas Beispielgebendes schaffen“

OB Rentschler holte sogar noch weiter aus und blickte auf die städtischen Hilfen im türkischen Antankya zurück, die gezeigt hätten, dass „wir in der Lage sind, mit unseren Möglichkeiten in kürzester Zeit etwas Beispielgebendes zu schaffen“. Schlüsselerlebnis sei für ihn gewesen, als eine mosambikanische Delegation vor 200 Aalener Schülern die Situation in ihrem Land geschildert habe. „Diese Schüler, zehn bis 15 Jahre alt, sind die, die sich in Zukunft mit diesem Problem herumschlagen müssen“, so Rentschler, Afrika sei ein „aufwachender Kontinent, der viele Probleme hat.“

Europa hingegen erscheine im saturiert, sagt Rentschler: „Uns geht’s richtig gut, aber wie lange kann das gutgehen? Wir müssen Antworten geben“, fuhr Rentschler fort, „damit die Bleibeperspektive in Afrika besser wird.“ Natürlich ohne die kommunalpolitischen Möglichkeiten zu überschätzen.

Wie solche Probleme zumindest teilweise gelöst werden können, das wusste Christoph Nix zu berichten. Seit vielen Jahren begleitet er Theaterprojekte in Togo, Malawi und Burundi. Zum Beispiel hat es der Verein Theater in Afrika möglich gemacht, dass ein Apotheke aus Konstanz in Afrika wieder aufgebaut wird. Oder eine Malschule in Togo, oder eine Theatergruppe für Kriegerwitwen. Der Effekt: „Unsere Kinder erfahren, wo das Geld genau hingeht. So entstehen kleine Netzwerke“ Für die Aalener Initiative fand er Lob: „Machen wir uns nichts vor: Afrika erlebt gerade eine neue Kolonialisierung. Sie sind deshalb als Kommune mit ihrer Initiative auf dem aktuellen Stand.“ Und an den OB gewandt: „Es spricht mir aus dem Herzen, was Sie sagen“, gestand Nix.

Fazit: Mit Hilfe kommunaler Entwicklungspartnerschaften, von der EU oder vom Land Baden-Württemberg gefördert, könne etwas „Überprüfbares“ entstehen. Rentschler: „Das macht Mut, deshalb machen wir mit.“ Nix hatte übrigens auf Honorar verzichtet, die Spenden des Abends gingen hälftig an den Konstanzer Verein Theater in Afrika und an die vom Aalener Theodor-Heuss-Gymnasium unterstützte Denis-Goldberg-Foundation.

Vorab hatte Nix aus seinem vor zwei Jahren erschienenen Buch „Muzungu“ gelesen, ein Kriminalroman, der in Afrika spielt, in dem es atmosphärisch dicht und lebendig um diesen besonderen Kontinent geht, um Uganda, um die grünen Hügel der Hauptstadt Kampala, um Schüsse und Müll, um selbstgefällige Präsidenten und Aufständische. Und um einen Mord in Muzungu-Land, den Muzungu, so Nix, das bedeute der, die das Weiße. Sein Roman begleitet den schwarzen Ermittler Oanda Malungu auf dessen schwierigem Weg.

Zum Abschluss folgte im Rahmen von „Samstagnachtfieber“ ein Auftritt der jungen Poetry-Slammerin Jeanine Lang, bevor das Theaterensemble selbst Ausschnitte aus dem Stück „Venedig im Schnee“ präsentierte, das am Samstag die Spielzeit eröffnen wird.

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Schwäbische Post | 1. Oktober 2018 | Herbert Kullmann

 

Afrika ist Thema auf der Bühne

Diskussion OB und Theaterleute sprechen über Engagement.

Aalen. Auf der Theaterbühne im Wi.Z trafen sich Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler, der Konstanzer Theaterintendant Prof. Dr. Christoph Nix und sein Aalener Kollege Tonio Kleinknecht. Diskutiert wurde über kommunales Engagement für Afrika. Aus zwei Perspektiven wurde das Thema beleuchtet. Prof. Nix stellte zunächst sein Buch „Muzungu“ vor, ein politischer Kriminalroman. Eine halbe Stunde lang liest der Juraprofessor aus dem Buch – ganz Theatermann – lebhaft, gestenreich, eindringlich.

Dann ging es zwischen OB Rentschler und Prof. Nix ganz ohne Fiktion um die afrikanische Wirklichkeit. Während Nix von seiner Theaterarbeit erzählte, richtete sich der Blick des Aalener Stadtoberhaupts ins mosambikanische Vilankulo.

Afrika mit den begrenzten Mitteln einer Stadt helfen, so die Idee, die Rentschler mit „Entwicklungspolitik auf kommunaler Ebene umschrieb – aller Schwierigkeiten zum Trotz, schließlich liegt Vilankulo nicht wie Saint-Lô, Christchurch, Tatabánya, Antakya oder Cervia gleich nebenan. Dennoch glaubt der OB an seine Idee.

Auf Nachfrage, warum Mosambik, kam wenig überraschend die Sprache auf das Engagement des Präsidenten der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft Siegfried Lingel sowie auf den Besuch des mosambikanischen Ex-Präsidenten Alberto Chissano in Aalen.

Nach Bekunden des OBs die Initialzündung eine Partnerschaft mit Vilankulo auszuloten. Rentschler und Nix verdeutlichten, wie wichtig angesichts weltweiter Flüchtlingsströme eine enge Kooperation sein könne. Wirksam wie nachhaltig, betont der OB und belegte dies am Beispiel des Schulprojekts für syrische Flüchtlingskinder in Aalens Partnerstadt Antakya.

Für ihn der Beweis, dass konkrete Hilfe möglich sei. Als weiteres Argument dienten ihm weitere Hilfsprojekte, die seit 30 Jahren von der Stadt mitgetragen würden. Prof. Nix zog den Vergleich zu seinen Theaterprojekten. So habe der Verein „Theater in Afrika“ ein ehemalige Konstanzer Apotheke in Afrika wieder aufgebaut und eine Theatergruppe für Kriegerwitwen initiiert. Kleine Hilfen mit großer Wirkung. Lob spendete er der Aalener Partnerschaftsidee: „Sie sind mit ihrer Initiative auf dem richtigen Weg.“

Es gehe darum, die Zivilgesellschaft hier wie dort durch Engagement zu stärken. Nix setzt auf kleine Projekte, die beispielsweise auch von Handwerksbetrieben gestützt werden könnten. Eine Idee, die bei OB Rentschler gut ankommt. Allerdings weiß er um allgegenwärtige Vorurteile. „Was verbratet ihr Steuergelder?“, sei eines der häufigsten. Dennoch stünden die positiven Seiten eines kommunalen und bürgerschaftlichen Engagements für Afrika im Vordergrund.

Kleine lokale Partnerschaften sollen es richten, meinte auch Rentschler: Betriebe, Schulen, Hochschule. „Die Bürger einer Stadt engagieren sich für Afrika, besser geht es nicht.“

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Aalener Kulturjournal | 30. September 2018 | https://www.aalener-kulturjournal.de/theater-musik-kunst/theater-trifft-afrika/

Chancen und Grenzen einer ungewöhnlichen Partnerschaft

Theater trifft Afrika

Auftakt der Reihe "Theater trifft …" in der neuen Spielzeit. Das städtische Theater hat ins Wi.Z geladen. Drei Herren sitzen hier auf der Bühne am Tisch. Reden wollen sie über Afrika. Nicht über Ingrid Peters "Voodoo Master" oder gar über Pollacks "Jenseits von Afrika", auch wenn zugegebenermaßen die gefühlte Temperatur im obersten Stockwerk des Wi.Z, der einer afrikanischen Savanne nahe kommt. Im Mittelpunkt des Abends soll der Roman von Prof. Dr. Christoph Nix, dem Intendanten des Konstanzer Theaters, stehen, dessen - nach dem 2008 erschienenen "Junge Hunde" - neues Buch "Muzungu" ins ferne Afrika führt. Ein politischer Kriminalroman, ganz nah an afrikanischer Realität.

Es geht um Korruption und um die Rolle privilegierter Weißer. Eine halbe Stunde lang liest Prof. Nix aus seinem Buch - ganz Theatermann lebhaft, gestenreich, eindringlich. Er berichtet von  Liv Utstedt, die im ugandischen Kibuli für "Ärzte ohne Grenzen" arbeitet und eines Tages tot im Haus des schwedischen Kulturattachés aufgefunden wird. Die Ärztin wollte die Welt aufrütteln, das Versagen der ugandischen Regierung gegenüber der Lords Resistance Army, gegenüber Korruption und Machtmissbrauch aufzeigen. Die Spur ihrer Mörder führt zurück in die 1980er Jahre, als Liv sich gegen Apartheid zu engagieren begann. Damals hatte sie eine Affäre mit einem im schwedischen Asyl lebenden Politiker. Dem jetzigen Präsidenten Ugandas. "Muzungu" - afrikanischer Ausdruck für Europäer - erweist sich rasch als Kriminalplot, der in schlichter Sprache eine skandalöse  ugandische Lebenswirklichkeit offenbart, der manch Brisantes andeutet, der aber der Phantasie des Lesers viel Raum lässt.  Die allgegenwärtigen NGOs tauchen auf, ebenso jene afrikanischen Politiker, welche die Verhältnisse ihres Landes zum Guten  ändern wollen, sich selbst aber irgendwann im Netz von Macht und Korruption verfangen. Autor Nix greift für das Buch auf Erfahrungen mit seinen Theaterkooperationen in Uganda, Togo, Malawi, Burundi oder Ruanda zurück.

Kommunale Entwicklungspolitik?

Afrika-Abend des Aalener Theaters - der zweite Teil. Oberbürgermeister Thilo Rentschler und Tonio Kleinknecht gesellen sich hinzu. Aalens Theaterintendant übernimmt die Rolle des Fragestellers, die beiden Anderen berichten von ihren jeweils verschiedenen Ausgangspunkten und Zielsetzungen, die letztlich aber  in ein übereinstimmendes Engagement münden könnten. Bei Prof. Nix ist es die bereits erwähnte Theaterarbeit, beim Aalener Stadtoberhaupt der Blick ins mosambikanische Vilankulo. Afrika mit den begrenzten Mitteln einer Stadt helfen, schwebt im Raum. Entwicklungspolitik auf der Ebene der Kommunen, nennt es OB Rentschler, der sich möglicher Schwierigkeiten bewusst ist, schließlich liegt die Küstenstadt Vilankulo nicht wie Saint-Lô, Christchurch, Tatabánya, Antakya oder  Cervia, in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern über 8500 Kilometer entfernt. Dennoch glaubt Thilo Rentschler an eine mögliche Städtepartnerschaft, die sich allerdings von den bisherigen deutlich unterscheide. Auf Nachfrage, warum Mosambik, kommt wenig überraschend die Sprache auf das quirlige Engagement des Aaleners Siegfried Lingel, Honorargeneralkonsul der Republik Mosambik und Präsident der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft, und auf den Besuch des ehemaligen mosambikanischen Staatspräsidenten Alberto Chissano in Aalen und dessen Treffen mit Schülern.

Nach Bekunden des OBs die Initialzündung in eine umfassende Zusammenarbeit mit Vilankulo einzusteigen. In ihrer Diskussion verdeutlichen OB Rentschler und Prof. Nix, wie wichtig angesichts weltweiter Flüchtlingsströme eine enge Kooperation sei. Wirksam wie nachhaltig, betont der OB und belegt dies am Beispiel des Schulprojekts für syrische Flüchtlingskinder in Aalens Partnerstadt Antakya. Für ihn zugleich der Beleg, dass konkrete Hilfe mittels Städtepartnerschaft möglich sei, wenn der Begriff Städtepartnerschaft im Hinblick auf Vilankulo eine neue Definition erfährt.

Zivilgesellschaft stärken

In Armut und Bevölkerungsexplosion sieht Rentschler Afrikas Hauptprobleme. Man müsse den Menschen einen Lebenssinn geben, so Prof Nix. "Es geht darum, die jeweiligen Zivilgesellschaft durch Engagement zu stärken." Konstanz Theaterintendant ist sich sicher, dass sich so auch der Blick auf die eigene und fremde Kultur zum Positiven verändert. Nur wer sich engagiere, könne an der Veränderung der Gesellschaft mitwirken. In Chinas Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent sieht er indes eine Gefahr, weshalb er fordert: "Wir müssen unsere Kultur der Vielfalt weitergeben." Prof. Nix warnt im Verlauf, dies mit einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu verbinden.

Bei seiner Theaterarbeit nimmt er sich afrikanischer wie europäischer Stücke an. In jüngster Vergangenheit  einem Stück über das Lachen in der Diktatur und er inszenierte Rainer Werner Fassbinders "Angst essen Seele auf" sowie einen afrikanischen "Parzival". Theater mit kulturübergreifendem Anspruch. Bei der Spielzeiteröffnung des Aalener Stadttheaters  vergangene Woche spielte Tonio Kleinknecht mit dem Gedanken, afrikanische Theaterensembles auch nach Aalen einzuladen, wie das Teatro Avenida. Bis zu seinem Tod betreute der schwedischen Krimiautor Henning Mankell die Bühne der mosambikanischen Hauptstadt Maputo. Das könnte sich tatsächlich etwas auftun, beispielsweise ein vielversprechender Kulturaustausch.

Angesichts der Entfernung setzt auch Prof. Nix  auf kleine hier initiierte Projekte. Beispielhaft nennt er das Engagement Konstanzer Apotheker bei Aufbau und Unterstützung einer Apotheke in einer afrikanischen Stadt. Vergleichbares könne er sich von Schreiner-, Bäcker- und anderen Handwerksbetrieben vorstellen. Eine Idee, die bei OB Rentschler auf offene Ohren stößt. Dass dies nur erste, von gegenseitiger Achtung getragene Impulse sein können, darin stimmt er mit Prof. Nix überein. "Wir müssen mutig sein", fordert dieser. Mutig im Sinne von: kleine Initiativen setzen Zeichen, in der Stadt  gründen sich Unterstützungsvereine, die wiederum gemeinsam an einem großen Netzwerk arbeiten.

Bürger für Afrika

Aalens OB weiß allerdings um allgegenwärtige Vorurteile in Sachen Hilfsprojekte für Afrika. "Was verbratet ihr Steuergelder", sei eines der häufigsten. Auch Korruption werde immer wieder als Gegenargument angeführt. Dennoch überwiegen für Rentschler die positiven Signale eines kommunalen und bürgerschaftlichen Engagements für Afrika, zumal Unterstützung von nationaler und europäischer Seite - beispielsweise durch "Europa hilft Afrika" - bereitstehe. Das Stadtoberhaupt legt indes besonderen Wert auf die Feststellung, dass mögliche kommunale Projekte nicht vergleichbar mit staatlichen Großprojekten seien. "Das ist etwas völlig anderes", so Thilo Rentschler. Der OB bläst in das gleiche Horn wie Prof. Nix. Kleine lokale Partnerschaften sollen es richten: Betriebe, Schulen, Hochschule. "Die Bürger einer Stadt engagieren sich für Afrika, besser geht es nicht", ist sich Rentschler sicher. Aller möglicher Schwierigkeiten zum Trotz, wie Prof Nix aus eigener Erfahrung anfügt. Die Sprache nennt er allerdings als Haupthindernisgrund. Englisch, Französisch und afrikanische Dialekte. Er habe sich damit immer schwer getan, deshalb sei es wichtig, jemanden zur Seite zu haben, der für Verständigung sorgen könne.

Das Stichwort für Intendant Tonio Kleinknecht, der die neue Spielzeit seines Theaters mit "Welche Sprache passt zu mir?" überschreibt. Was darunter zu verstehen ist, wollte Jeanine Lang im Anschluss an OB Rentschler und Prof. Nix von Tina Brüggemann und Winfried Tobias (beide Theater Aalen) wissen. Nach Buchlesung und Diskussion dann Teil drei des Abends: "Samstagnachtfieber" erneut mit Jeanine Lang. Jetzt als Poetry-Slammerin.


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