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Theater trifft...Dagrun Hintze und Marc Grandmontagne

am 4. Mai 2018

Eine Stadt führt sich auf

Uraufführung am Theater Aalen:  "Wir sind die nebelfreie Stadt"

von Dagrun Hintze

1. Aalener Bürgerchor

Premiere: 4. Mai 2018, 20 Uhr, Stadthalle Aalen

Es war ein Abend, der Aalen – allem voran seine Bürgerinnen und Bürger – ganz ins Zentrum des Geschehens rückte. „Wir sind die nebelfreie Stadt“, geschrieben  von der Autorin Dagrun Hintze, wurde unter der Leitung von Tina Brüggemann, Michael Flechsler und Thomas Haller am 4. Mai 2018 in der Stadthalle Aalen uraufgeführt. Neben dem 1. Aalener Bürgerchor, an dem über 60 Aalener*innen teilnahmen, waren auch das Percussionensemble von Philipp Schiegl (Musikschullehrer der Stadt Aalen), die Marching Band von Christoph Wegel (Musikschulleiter), die Jugendkantorei der ev. Kirchengemeinde unter der Leitung von Thomas Haller (Kirchenmusikdirektor), die Ballettklasse von Raina Hebel und Elena Wirth sowie das Männerquartett „Balkanband“ mit Dirk Häcker, Ralf Müller, Christoph Wegel sowie Michael Flechsler beteiligt. In rund 90 Minuten machten sie gemeinsam Aalen hörbar, erlebbar und fassbar – die Stadt führte sich selbst auf, während sie gleichzeitig im Publikum saß. 

Das Stück basiert tatsächlich auf dem, was die Aalener Bürger*innen über ihre Stadt denken und was sie ihnen als Heimat bedeutet. Dagrun Hintze interviewte im Vorfeld etwa 25 sehr unterschiedliche Bürger*innen und recherchierte darüber hinaus zur Stadtgeschichte, aber auch zum Alltag auf der Ost-Alb. Neben scheinbar „belanglosen“ Themen wie dem Wetter (in Aalen ist es grundsätzlich besser!) kommen die Römer und die Reformation zur Sprache, der Ringkampf (Aalen ist eine Hochburg des Ringens), der große Stadtbrand, der Zweite Weltkrieg, die Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten, die Gastarbeiter und die Kriegflüchtlinge aus den letzten Jahren. Der große Sprechchor performt Hintzes Text voller Dynamik und Leidenschaft – zart und anrührend wird es hingegen, wenn Kinderstimmen Synonyme für den Begriff "Heimat" aufzählen. Augenzwinkernd ließe sich der umjubelte Abend mit einer Textzeile aus dem „Aalener Lied“ auf den Punkt bringen:   „[…] am schönschda isch‘ dahoim“!

Vor der Premiere diskutierten im Rahmen der „Theater trifft…“-Reihe Dagrun Hintze, Marc Grandmontagne, der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, und der Aalener Intendant Tonio Kleinknecht mit dem Publikum über die Wichtigkeit von Bürgertheater und Bürgerbeteiligung – in einer Zeit, in der sich jede*r in erster Linie sich selbst und seiner Community verpflichtet fühlt. Was ist Bürgertheater? Welche Zukunft haben Theater als demokratische Orte des freien Diskurses in Deutschland? Hintze berichtete von ihren Arbeitserfahrungen an den "Bürgerbühnen" des Staatsschauspiels Dresden und des Düsseldorfer Schauspielhauses – an beiden Häusern existiert das "professionelle Theater mit nicht-professionellen Darstellern" als eigene institutionelle Sparte. Und Hintze sieht darin nicht nur eine Möglichkeit, das Stadttheater von innen heraus zu erweitern, sondern versteht partizipatives Theater als Chance für eine Gesellschaft, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Die Bevölkerung möchte diese Teilhabe, glaubt auch Marc Grandmontagne: "Wenn man sich selbst auf der Bühne erkennt, fängt man an, über seine eigene Identität nachzudenken“.

 






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