Theater trifft dr. jochen kress  21.1017

Theater trifft...Dr. Jochen Kress am 21.10.2017

Digitalisierung trifft Theater

Digitalisierung – ein Thema, das die öffentliche Diskussion beherrscht, bestehende Strukturen aufbricht, die Gesellschaft  und den wirtschaftlichen Markt verändert. Sie schafft Verunsicherung aber auch Hoffnung und neue Chancen. Auch das Theater beschäftigt sich damit – und eignet sich nicht gerade Goethes Faust hervorragend, um sich kritisch mit ihr zu beschäftigen? Es ist der Forscher Faust der im Zentrum steht, und nicht erkennt, was die Welt im Innersten zusammenhält, beinahe einen Pakt mit dem Teufel eingeht, mit den Schwierigkeiten der Digitalisierung zu kämpfen hat und erkennt, dass die digitale Welt auch nicht glücklich macht. Er lebt in einer Welt, in der den Menschen immer mehr Entscheidungen von den Maschinen abgenommen werden und es immer schwieriger wird, in einer Welt des Habens und des Konsums Möglichkeiten des Seins zu finden. 


Beim vergangen „Theater trifft…“, war Dr. Jochen Kress zu Gast um sich  im Anschluss an die Vorstellung von „Das Faustexperiment“ kritisch mit Intendanten Tonio Kleinknecht und dem Publikum auszutauschen. Dr. Jochen Kress leitet zusammen mit seinem Vater Dr. Dieter Kress das Unternehmen MAPAL Präzisionswerkzeuge Dr. Kress KG, ein mittelständisches Familienunternehmen und international führender Anbieter von Präzisionswerkzeugen für die Metallverarbeitung mit Hauptsitz in Aalen. Er stellte die Digitalisierung aus der Sicht seines Unternehmens vor, ging auf die Vorteile und Gefahren ein und welche Veränderungen sie mit sich bringt. Im privaten Bereich sei die Digitalisierung, eine Vernetzung von Menschen, bereits stark fortgeschritten – so besitze nahezu jeder ein Smartphone mit diversen Apps. Im betrieblichen Umfeld, z.B. in der Produktion, sei sie hingegen weniger fortgeschritten. Dabei bringe sie den Vorteil mit sich, dass mühsame Aufgaben, die keine Kreativität erfordern, digitalisiert werden können. Demnach verschwänden reine Routinetätigkeiten, zudem sei es möglich, Maschinen rund um die Uhr laufen zu lassen, ohne dass diese von Mitarbeitern während des unbeliebten Nachtdienstes gesteuert und bewacht werden müssen.  Digitalisierung schafft damit Freiräume.

Eine Gefahr der Digitalisierung sei jedoch der mögliche Verlust menschlicher Bindung und Bezüge, weil durch die Automatisierungen und Digitalisierungen die menschliche Schnittstelle fehle. Bei einer Mitarbeiteranzahl von aktuell 1800 seien gemeinsame Online-Plattformen ein gutes Mittel, das Miteinander zu pflegen, da sich hier jeder einbringen könne. Der Vorteil der Plattform sei es, dass auch Mitarbeiter, die in der Produktion arbeiten, daran teilnehmen können, da sie durch die Digitalisierung nicht mehr stundenlang vor der Maschine stehen müssen. Dr. Jochen Kress betonte, dass eine Arbeitsplatzbedrohung auf keinen Fall gegeben sei, da durch die Digitalisierung keine Arbeitsplätze wegrationalisiert werden sollen, sondern neue Arbeitsfelder geschaffen werden – „wir wollen Menschen nicht überflüssig machen“, so Kress, „sondern die Digitalisierung nutzen, um Wohlstand zu sichern.“

Die Digitalisierung wirft viele Fragen auf, die uns alle betreffen und ist nicht nur eine Frage der Technik. Das Theater möchte dazu noch näher mit Ihnen ins Gespräch kommen! Die nächste Möglichkeit dazu bietet sich am 05.11.2017 beim „Theater trifft… jugendliche Digital Natives & Nerds“ im Anschluss an die Vorstellung von „Cyber Cyrano“, bei dem die Gefahren des World Wide Webs, auch aus Sicht Jugendlicher, diskutiert werden.


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