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GSA BOOGALOO – ODER: WIE KLINGT DIE GSA?

Presse

Schwäbische Post vom 23. März 2017 von Dagmar Oltersdorf

Hören, wie der GSA-Boogaloo klingt

Kulturprojekt Der Boulevard Ulmer Straße ist diesmal zu Gast bei der GSA-Nachbarschaft.

Ein wenig geheimnisvoll wirkt die Firma ja, wenn man an ihr vorbeifährt. Denn was sich in den Produktionshallen der GSA so tut, wissen wohl nur die 450 Menschen, die dort beschäftigt sind. Seit 151 Jahren gibt es das Aalener Traditionsunternehmen in der Ulmer Straße. Und öffnet sich nun der Kultur. Als Teil des Boulevard Ulmer Straße lässt die GSA in einer ihrer Hallen nachhören, wie der Groove, der innere Rhythmus des Unternehmens klingt, dessen Zischen und Stampfen man immer mal wieder hört. Ein „Boogaloo“, zu dem alle eingeladen sind.

„Boogaloo“, das ist ein Begriff den Gerburg Maria Müller, die das Projekt vonseiten der Künstlergruppe New Limes leitet, aus New Orleans mitgebracht hat. „Dort versteht man darunter ein interkulturelles Nachbarschaftsfest“, erklärt sie. Ähnliches soll auch das Projekt in der GSA sein. „Es wird viel auf die Ohren geben, es gibt Schauspiel und Musik, es wird getanzt“, so Gerburg Maria Müller. Mit dem Ziel, auf kreativem Weg in die Geschichte und das Wesen der GSA vorzudringen. Dass die dabei mitmache, sei nicht selbstverständlich angesichts des Aufwandes, so Winfried Tobias vom Theater Aalen.

Gleich mehrere Institutionen aus der GSA-Nachbarschaft sind beteiligt. Die Musikschule Aalen mit einer Brassband unter Leitung von Chris Wegel und Uli Krug, ein Perkussionsensemble unter Leitung von Philipp Schiegel und eine Tanzgruppe unter der Leitung von Raina Hebel. Die tamilische Schule wird mitgrooven, ein iranischer Sänger und Schülerinnen und Schüler der Schillerschule sind als Darsteller mit im Boot und viele mehr – 69 Menschen werden die Halle zum Klingen bringen.

„Theater und Industrie gehen hier Hand und Hand“, freut sich Gerhard Bayer, Produktionsleiter der GSA. „Als Traditionsunternehmen wollen auch wir dabei sein, wenn das Theater in der Ulmer Straße etwas macht“, erklärt er. Zwar seien einige der Mitarbeiter anfangs skeptisch gewesen angesichts des logistischen Aufwandes, den der „Boogaloo“ erfordert: „Aber jetzt sind sie schon sehr gespannt und wollen Karten haben“, so Bayer.

Gespannt sind auch die Beteiligten: „Wir sind happy, gelebte Integration zu zeigen“, sagt Thanabalasingfam Vyramuthu von der Tamilischen Schule. „Für die Musikschüler ist es schön, auch mal unterschiedliche Sachen zu probieren“, ergänzt Chris Wegel, stellvertretender Leiter der Musikschule Aalen. Die Gelegenheit dazu haben sie auf jeden Fall. Denn die Beteiligten werden nicht das tun, was sie immer tun. Die Band wird tamilische Musik spielen, gesteppt wird zum Perkussionsensemble. „Damit jede Gruppe auch was anderes erlebt“, so Gerburg Maria Müller. Wie es sich für ein Boogaloo gehört.


Aalener Nachrichten vom 25. März

So klingt der Groove der GSA

Für den „Boulevard Ulmer Straße“ präsentiert Aalener Theater den GSA-Boogaloo

Seit 151 Jahren befindet sich die GSA (Gesenkschmiede Schneider Aalen) in der Ulmer Straße. Wer an den Fabrikhallen des Industrieunternehmens vorbeifährt, nimmt die Geräuschkulisse der Stahlherstellung für gewöhnlich nicht als musikalisch wahr. Gerburg Maria Müller und Uli Krug von „New Limes“ erkannten im industriellen Klang aber ein künstlerisches Potenzial, als sie nach Ideen für den „Boulevard Ulmer Straße“ suchten.

Das Ergebnis dieser Überlegungen: „GSA Boogaloo – Oder: Wie klingt die GSA“ und feiert am Donnerstag, 30. März, Premiere in der Alten Versandhalle. Bei der bunten Mischung aus Musik, Theater und Tanz sind 69 Künstler beteiligt. Gemeinsam entlocken sie den Maschinen einen Groove und einen Beat.

Zum Boogaloo, wie man ihn aus New Orleans kennt, sind alle eingeladen. Denn dabei handelt es sich, wie Müller erklärt, um ein „interkulturelles Nachbarschaftsfest“. Ganz in diesem Sinne kommen bei dem Projektnachbarn aus Aalen zusammen. Dazu gehören die Musikschule Aalen mit einer Brass Band sowie einem Percussions- und Tanzensemble, die Tamilische Schule mit einem Tanzensemble mit Gesang sowie Schüler und Schülerinnen der Schillerschule.

„Mit dem ‚Boulevard Ulmer Straße‘ wollen wir Menschen miteinander verbinden“, betont Winfried Tobias vom Aalener Stadttheater. Als die GSA vom Kunst- und Kulturprojekt des Theaters erfuhr, zeigte sie sofort Interesse, wie der Produktionsleiter Gerhard Bayer berichtet: „Als Traditionsunternehmen wollte wir auch dabei sein, wenn das Theater in der Ulmer Straße etwas macht.“

Auch die anderen Kooperationspartner sind mit Begeisterung dabei und freuen sich auf die kommenden Aufführungen. „Wir sind happy, gelebte Integration zu zeigen“, so Thanabalasingfam Vyramuthu von der Tamilischen Schule. „Für die Musikschüler ist es toll, auch mal unterschiedliche Sachen zu probieren“, meint Chris Wegel, stellvertretender Leiter der Musikschule Aalen.


Schwäbische Post vom 01. April 2017 von Dagmar Oltersdorf

Bunt, begeisternd, Boogaloo

Der Boulevard Ulmer Straße lädt zum fröhlichen Miteinander der Kulturen in der alten Versandhalle der GSA.

So also geht er, der GSA-Boogaloo. Laut, bunt und mit viel Spaß sowohl für die, die mitmachen als auch für die, die erst mal nur zuschauen. Lange tun sie das freilich nicht. Denn eigentlich werden die rund 130 Zuschauer schon von Anfang an mitgenommen von der Brass Band der Musikschule Aalen. Angefeuert von Schauspieler Pat Müller, der sie mit sich lockt wie der Rattenfänger von Hameln.

Doch es geht nicht ins Ungewisse, sondern dorthin, wo die GSA eigentlich ihre Lehrlinge ausbildet und die Logistik ihre Kisten stapelt. Fürs Theater aber wurde dort Platz gemacht. Dutzende von Kisten weggeräumt für Zuschauerreihen und Bühne. „Ich bin gespannt, wie es wird, wenn Kultur und Industrie aufeinandertreffen“, sagt GSA-Produktionsleiter Gerhard Bayer. Man sieht den Gesichtern im Zuschauerraum an: nicht nur er.

Fast ein Jahr lang hat Regisseurin Gerburg Maria Müller mit rund 70 Beteiligten zwischen 6 und 60 Jahren den „Boogaloo“ vorbereitet. Zu verstehen ist darunter ein Nachbarschaftsfest, zu dem alle was mitbringen, wo gelacht, getanzt und gesungen wird. Die Aalener Version als Teil des Projektes Boulevard Ulmer Straße lädt die Nachbarschaft, aber auch Beschäftigten der GSA ein, um zu hören, wie der nächtliche GSA-Boogaloo klingt.

Und das ist auch schon die ganze Geschichte, erzählt vom großen Hausmeister Levent Özdil und dem kleinen Hausmeister Avinash Rupaharan von der Schillerschule. Vor denen treten sie auf, die Gäste des Nachbarschaftsfestes, wirbeln durch die Luft und tönen, slammen und rappen. Das Tanzensemble der Tamilischen Schule verzaubert mit traditionellen Kostümen, bewegt sich anmutig, allerdings nicht zu tamilischer Musik, sondern zum gesungenen „Takatakati“. Schnell wird so die Idee von der harmonischen Gemeinschaft unterschiedlicher Kulturen lebendig: Nimm an, was der andere zu bieten hat.

Kraftvoll und elegant bewegt sich die Ballettklasse der Musikschule zum Groove des Percussionsensemble der Musikschule Aalen – die Mädchen steppen mit Schuhen und Leitern. Die junge Tänzerin Celina Hercigonja zeigt in einem kurzen Solo, dass ein Boogaloo auch die Stille kennt. Ebenso tun es ihr die Sänger Amri Khosrowina und Thipap Thamilmaran nach. Der Perser und der tamilische Junge lassen für ein paar Momente den Lauf der Dinge in der Halle, in der früher die Schmiedehammer dröhnten, stillstehen.

Dann wieder ist die Band mit Axel Nagel dran – der lässt das Theremin heulen, die Klänge von Gitarre, Sousaphon, Darbuca, Schlagzeug, Querflöte durchdringen den Raum. Werden unterbrochen vom Heulen und Rasseln, Klopfen, Scheppern und Krachen auf den großen GSA-Blechkisten. Zwischendurch sind auch die Kinder der Schillerschule unterwegs, wird der alte Hexenmeister herbeigeslamt.

„Ob das alles dem Herrn Bayer und dem Herrn Fernandez gefallen“, fragt der Hausmeister seinen Gehilfen. Offensichtlich. Denn als sich alle zum Final-Boogaloo und dem gemeinsamen Ruf „Ich mit Dir, Du mit mir, das sind wir“ treffen, sind die beiden GSA-Chefs irgendwo mittendrin im großen, bunten, fröhlichen Ganzen.


Aalener Nachrichten vom 01. April 2017 von Johannes Müller

Lärm der Gesenkschmiede spielt mit

Spektakuläres Theater mit 70 Mitwirkenden in der GSA-Fabrikhalle an der Ulmer Straße


„So ein Kulturereignis hat es in der 126-jährigen Geschichte der Gesenkschmiede Aalen noch nie gegeben“, kündigte GSA-Geschäftsführer Erhard Bayer in seinem Grußwort an. Er konnte zum „GSA-Boogaloo“ am Donnerstagabend 70 Mitwirkende des Theaters der Stadt Aalen und zahlreiche Besucher in der großen Fabrikhalle an der Ulmer Straße willkommen heißen.

Dann zog eine bunte Truppe mit großem Trara in die Halle ein. Es dröhnten die Blasinstrumente, voran das überdimensionierte Sousaphon, und es folgten mit Hallo die Zuschauer. Das Theater der Stadt Aalen hatte im Rahmen seines Projektes Boulevard Ulmer Straße zum „GSA-Boogaloo“ eingeladen. Das ist in der Tradition von New Orleans ein musikalisches Nachbarschaftsfest.

Die Nachbarn waren in diesem Fall nicht nur die Schmiedehämmer und die vielfältige Geräuschkulisse der Eisenindustrie, sondern auch der Singsang aus der Moschee der Ulmer Straße und der Straßenlärm mit dem Gehupe vorbeifahrender Lkws und Pkws.

Die Vielfalt dieser Elemente spiegelte sich in der Vielzahl der Mitwirkenden wider. Da tönten nicht nur die Instrumente der „Brass Band Section“ (Leitung Chris Wegel und Uli Krug) und des Percussionsensembles (Leitung Philipp Schiegl) der Musikschule der Stadt Aalen.

Soundeffekte aus aller Welt

Soundeffekte aus aller Welt lieferte die Band um Axel Nagel (Gitarren, Teremin, Darbuca, Querflöte und Gesang).

In krassem Kontrast zur nüchternen Fabrikhalle standen die Tanzszenen der Ballettklasse der Musikschule (Raina Hebel und Elena Wirth). Exotische Elemente brachten die Tanzkinder der tamilischen Schule in ihren farbenprächtigen Kostümen und die Islam-Gesänge von Thipag Thamilmaran ins Programm. Eine waschechte Putztruppe und eifrige Jungs der Elektrik von der sechsten und zehnten Klasse der Schillerschule imponierten durch Staccato-Effekte an Leitern und Stühlen.

Originell kommentiert wurde vom großen und kleinen Hausmeister (Levent Özdil und Avinash Rupaharan (Schillerschule). Die witzige Moderation besorgte Pat Mueller. Dass das Ganze zu einer tollen Show gelang ist der einfallsreichen Regie und Dramaturgie von Gerburg Maria Müller zu danken. Ihr stand ein achtköpfiges Technik-Team und für die Kostüme Birgit Barth zur Verfügung. Für den reibungslosen Ablauf sorgte die Produktionsleiterin Daniela Mühlbäck. Das Publikum war begeistert und blieb noch lange mit den Künstlern beisammen.


Aalener Kulturjournal (online) von Herbert Kullmann, veröffentlicht am 03.04.2017

Boulevard Ulmerstraße - GSA Boogaloo

Der Klang der Welt

Alle, die sich am Donnerstagabend zur Versandhalle der Aalener GSA in der Ulmerstraße aufmachten, wissen nun, wie die GSA klingt. Keine Industriegeräusche, kein Fabriklärm, keine ratternden Maschinen und selbst der Schmiedehammer spielte keine Rolle. Der Klang der GSA definierte sich an diesem Abend vielmehr über Begriffe wie Nachbarschaft und Vielfalt, denen zentrale Bedeutung im Zusammenleben einer intakten Gesellschaft zukommt. Im Rahmen des Projekts "Boulevard Ulmerstraße" geht es um die nach wie vor gültige Forderung nach "Kultur für alle“, nach einem Kulturangebot, das sich an alle Altersgruppen wendet, für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gemacht ist und das von vielfältigen Vermittlungsangeboten und teils ehrenamtlichen Engagement von Vereinen und Verbänden begleitet wird.

Das vom Theater der Stadt initiierte Projekt kommunaler Kulturarbeit bringt dementsprechend entlang der Ulmerstraße Einrichtungen und Organisationen zusammen, um gemeinsam  kulturelle Traditionen aufzugreifen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und über Gesehenes wie Gehörtes gegenseitiges Verständnis zu schaffen und neue Impulse zu kreieren. Ob "Rock am Boulevard" in der Tonfabrik, die "Gerücheküche" oder "Busgeschichten" -immer geht es um eine interkulturelle Kulturarbeit, die die Stadtgesellschaft vielleicht ein Stückchen voranbringt,  gleichberechtigte Teilhabe am kulturellen Leben, ermöglicht und auch dem "Fremden" die Chance bietet, sich zu offenbaren. In diesem Sinne ist dem "Boulevard Ulmerstraße" mit dem "GSA Boogaloo" ein Glücksgriff gelungen.

Nicht nur da Projektleiterin Daniela Mühlbäck gemeinsam mit Gerburg Maria Müller und GSA-Produktionsleiter Gerhard Bayer rund 70 Akteure versammeln konnten, sondern weil ihnen in der Abfolge einzelner voneinander unabhängiger und zum Teil höchst unterschiedlicher Beiträge ein durchweg spannendes Programm gelang, das vom Premierenpublikum mit viel Beifall bedacht wurde. So glänzten die Tänzerinnen der Tamilischen Schule mit traditionellem Tanz, der sich auch zu moderner Musik sehen lassen konnte, die städtische Musikschule steuerte ihr Percussionensemble und die Ballettklasse bei. Die Schillerschule machte mit, die neugegründete "Band" und die Brass Band der Musikschule, die das ganze Programm immer wieder abrundete.

Nicht zu vergessen, die beiden moderierenden "Hausmeister" Levent Özdil und Avinash Rupaharan. Bemerkenswert übrigens auch Solotänzerin Celine Hercigonja mit einem leider viel zu kurzen Ausdruckstanz. Bemerkenswert auch Amir Khosrownia, der gemeinsam mit Thipag Thamilmaran nicht nur in gesungene Liebeslyrik ("Molana") des 8. nachchristlichen Jahrhunderts entführte, sondern auch in der "Band" eine arabische Darbuca  schlug und seine Zuhörer mit "Mohsän", einem überlieferten persischen Lied in modernem melodischen Gewand, begeisterte.

Ob Goethes "Zauberlehrling" als Rap oder "Oh when the saints" als Brass - an diesem Abend bebte die GSA allein der Kultur wegen. "In der tiefen Nacht, wenn die GSA erwacht" - ein erfreuliches Frühlingserwachen, dass für eine lebendige Aalener Kulturszene quer durch alle Genres steht und auf eine vielversprechende Fortsetzung hoffen lässt.

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