Theater aalen 17.02 theater triff... rimini protokoll foto david von becker

Theater trifft… Rimini Protokoll

Experten des Alltags: Wir spielen alle Theater

Bei „Theater trifft… Rimini Protokoll“ sprach Theaterpionier Daniel Wetzel über die Arbeiten seiner Gruppe und „Hausbesuch Europa“

Mit „Hausbesuch Europa“ bringt das Theater der Stadt Aalen zurzeit ein außergewöhnliches Projekt direkt in die privaten Wohnzimmer seiner Zuschauer*innen. Das Konzept dazu stammt vom Autoren-Regie-Team „Rimini Protokoll“, das im Jahr 2000 von den Theatermachern Stefan Kaegi, Helgard Haug und Daniel Wetzel gegründet wurde. Mit ihren Arbeiten aus den Bereichen Theater, Hörspiel, Film und Installation (u.a. „Wallenstein“, „Karl Marx: Das Kapital“, „100 Prozent“) erweiterten sie das Bewusstsein dafür, was man alles als Theater betrachten kann. Die Gruppe erhielt dafür Einladungen zu internationalen Festivals sowie zahlreiche deutsche und europäische Preise.

Im Rahmen der Reihe „Theater trifft…“ besuchte Daniel Wetzel am Freitag, den 17. Februar, das Aalener Stadttheater, um mit Dramaturg Winfried Tobias über die künstlerische Herangehensweise von „Rimini Protokoll“ zu diskutieren. Das Theaterkollektiv entstand während des Studiums am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen in den 90er Jahren. Das Ziel war, wie Wetzel erzählt, „ein anderes Betriebssystem für das Theater zu finden“. Bei den Inszenierungen der Gruppen werden nicht dramatische Texte von professionellen Schauspielern umgesetzt. Stattdessen geht es darum, welche alltäglichen Ereignisse unter bestimmten Bedingungen als Theater aufgeführt werden können. Die Darsteller „spielen“ häufig sich selbst. „Das heißt nicht, dass es sich um Laien handelt. Im Gegenteil: Sie sind Experten in dem, was sie tun. Experten des Alltags“, wie Wetzel erklärt.

Auch in „Hausbesuch Europa“ sind nicht Schauspieler, sondern die Besucher*innen die bestimmenden Akteure der Aufführung. In einem interaktiven Theatererlebnis versammeln sich 15 Menschen am Esstisch um eine Europakarte und lassen sich von einer kleinen „Höllenmaschine“ mit Musik, Texten und Anweisungen zu Spiel und Gespräch verführen. Wie bei einem Gesellschaftsspiel beantworten sie Fragen und sammeln Punkte mit dem Ziel, am Ende ein möglichst großes Stück vom Europa-Kuchen abzubekommen. In Zentrum der Spiels stehen unsere persönlichen Meinungen und Haltungen zu Europa. „Dabei geht es um das gegenseitige Kennenlernen, aber auch um politische Fragen nach Konkurrenz und Solidarität“, so Wetzel. Winfried Tobias, Spielleiter bei den Terminen in Aalen, verspricht interessante und abwechslungsreiche Abende, denn „die Spielanordnung wird von den Teilnehmern selbst mit Leben gefüllt“.


Foto: Theater-Revolutionäre (v.l.n.r.): Stefan Kaegi, Helgard Haug und Daniel Wetzel vom Autoren-Regie-Team „Rimini-Protokoll“ (Foto von David von Becker)

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